Merinowolle – immer schön warm

Merinowolle: Im Schafspelz ab nach draußen

Die Naturfaser Merinowolle ist ein echtes Multitalent: Flauschig warm im Winter, kühlend im Sommer, kratzt nicht und müffelt auch nicht! Hier erfahren, worauf man beim Kauf achten sollte!

Positive Eigenschaften der Merinowolle

Merinowolle ist eine besondere Form der Schurwolle, also eine Naturfaser, die vom Merinoschaf stammt. Die Wolle besteht, wie unsere Haare und Fingernägel auch, aus dem tierischen Faserprotein Keratin. Schon bei der Berührung kann man feststellen, dass Merino deutlich weicher und feiner als manch andere Wolle ist. Genau diese Besonderheit der Struktur trägt zu den vielen positiven Eigenschaften bei, weshalb Merinowolle – insbesondere im Outdoor-Bereich – so beliebt ist.

Feine Faser für angenehmes Tragegefühl

Dass Merinowolle so viel weicher und angenehmer auf der Haut liegt, ist die erste Annehmlichkeit, die mit der Struktur der Wolle zusammenhängt. So ist die Faser von Merino sehr viel feiner und stärker gekräuselt als gewöhnliche Schafwolle. In der Regel ist sie nur halb so dick, im Durchschnitt bewegt sie sich bei 17 – bis 25 Mikron. Ein Mikron (Mikrometer) entspricht 0,001 Millimeter. Im Übrigen wird die Qualität von Wolle an der Dicke der Faser gemessen – je feiner, umso hochwertiger und teurer.

Man unterscheidet diese Faserstärken:

  • strong: 24 – 25 Mikron
  • medium: 22 – 23 Mikron
  • fine: 19 – <22 Mikron
  • superfine: 17 – <19 Mikron
  • ultrafine: < 16,9 Mikron

Dass die Merinowolle nicht kratzt, ist demnach von der Faserstärke abhängig. Hierbei spielt zudem unser Empfindlichkeitsbereich eine Rolle, der eben bei rund 25 Mikron endet.

Merinokleidung: Wärmt zuverlässig im Winter

Wollpullover, Wollsocken oder Wollmützen – dass Wolle den Körper im Winter warm hält, ist allseits bekannt. Aber warum eigentlich und wo liegt die Besonderheit bei der Merinowolle? Wie bereits erwähnt, ist die starke Kräuselung der Faser ein charakteristisches Merkmal der Merinowolle. Genaue Betrachtungen haben gezeigt, dass sich auf einem Zentimeter sogar bis zu 40 Kräuselungen befinden können. Aufgrund des wellenförmigen Aufbaus, liegen die Fasern auch nicht dicht an dicht aufeinander, sondern bilden Luftkammern. In den Naturfasern kann sich bis zu 85 Prozent Luft befinden. Diese sorgt dafür, dass die Körperwärme gehalten und nicht nach außen transportiert wird, denn Luft ist ein schlechter Wärmeleiter. Also perfekte Bedingungen für lange Outdoor-Aktivitäten, wenn es draußen richtig knackig kalt ist. Dann empfiehlt sich auch ein Multifunktionstool, damit man nicht so viel Wärme über den Kopf verliert. Bei uns könnt Ihr auch mehr Infos finden, wie man z.B. einen Buff bindet.

Merino im Sommer: Hot or not?

Der Gedanke, im Hochsommer Wolle anzuziehen, dürfte bei den meisten mindestens ein Stirnrunzeln, wenn nicht sogar das Bewegen des Zeigefingers Richtung Stirn hervorrufen. Aber so merkwürdig die Kombination Merinowolle und Sommer im ersten Augenblick auch wirken mag – eigentlich sind sie ein Dreamteam. Merinowolle ist nämlich gleich aus mehreren Gründen ein toller Stoff für den Sommer.

Das entscheidende Argument ist seine kühlende Wirkung. Zurückzuführen ist diese zum einen auf die Luftkammern in den Fasern. Diese lassen eben nicht nur warme Luft nicht heraus – sie kommt auch nicht herein. Zum anderen spielt die Hygroskopizität der Merinofasern eine große Rolle. Sprich, die Fähigkeit, Feuchtigkeit aus der Umgebung zu binden. Wenn dein Körper beim Wandern also beispielsweise ordentlich in Wallung kommt und anfängt zu schwitzen, wird der Schweiß von den Fasern aufgenommen. Dort wird dieser dann zwischengelagert, bevor er nach außen transportiert wird.

Der Clou: Obwohl Merinowolle bis zu rund 35 Prozent ihre Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen kann, fühlt sich der Stoff auf der Oberfläche gar nicht feucht an.

Ein weiterer Pluspunkt: Beim Trocknen der Wolle – was erstaunlich schnell geht – entwickelt sich wieder Verdunstungskälte.

Mief ade – trotz schweißtreibender Aktivität

Eine weitere tolle Eigenschaft von Merinowolle ist ihre Geruchsneutralität. Du kannst also tagelang im gleichen Oberteil bergauf, bergab wandern – ohne, dass deine Begleiter spätestens am zweiten Tag das Weite suchen. Verantwortlich ist dafür ebenfalls die besondere Struktur der Wolle. So ist die Oberfläche nicht so glatt wie bei synthetischen Materialien, sondern eher schuppig. Das hat zur Folge, dass sich Schweiß und die darin befindlichen Bakterien gar nicht so gut daran festhalten können.

Darüber hinaus haben natürliche Fasern wie Wolle sehr gute Selbstreinigungskräfte. Das heißt, das Keratin baut die Bakterien schon beim Tragen der Kleidung ab, wodurch unangenehme Gerüche einfach unterbunden werden.

Praktisch: Genau deshalb müssen Textilien aus Merinowolle deutlich seltener gewaschen werden. Oft reicht es schon, wenn man die Kleidungsstücke mal draußen zum Lüften aufhängt.

Im Übrigen ist Merinowolle nicht nur in Sachen Schweiß so pflegeleicht, sondern auch generell bei Schmutz, der sozusagen abperlt.

Sicherheit bei Feuer und Sonne

Die Liste der positiven Merkmale ist noch immer nicht ausgeschöpft. Die Naturfaser bringt nämlich noch zwei nette Attribute in Sachen Sicherheit mit.

  • Bleiben wir zunächst beim Sommer: Die Merinowolle schützt uns vor UV-Strahlung. Genau genommen erfüllt sie die Aufgabe einer Sonnencreme mit UV-Schutz von über 40.
  • Unproblematisch ist mit Merinokleidung zudem das gemütliche Sitzen am Lagerfeuer, denn die Faser ist nicht entflammbar. Aus diesem Grund ist sie auch bei der Feuerwehr äußerst populär.

Die andere Seite der Medaille von Merinowolle

Wie an den oben benannten vielen positiven Eigenschaften deutlich wurde, ist Merinowolle wirklich ein wunderbarer Stoff und man möchte am liebsten laut in die Welt hinausrufen „Kauft alle Merinowolle, sie ist das einzig Wahre“. Allerdings wäre solch ein Lobgesang nur die halbe Wahrheit. Vor allem, wenn man sich die gängige Produktion anschaut, müsste man sogar vom Kauf der Merinowolle abraten. Viele Farmen vergessen bei der ganzen Wirtschaftlichkeit nämlich völlig, was artgerechte Tierhaltung und Tierschutz sind. Daher soll hier auch noch die andere Seite der Medaille betrachtet werden.

Merinoschafe: Vom natürlichen Lebensraum zum Wollproduzent

Die Rasse der Merinoschafe hat ihren Ursprung nicht wie viele vermuten würden in Australien, sondern in Nordafrika. Erst im 14. Jahrhundert kamen sie nach Südeuropa (Spanien), wo sie erstmals für die Wollgewinnung gezielt gezüchtet wurden. Lange Zeit war dies ein Monopol, der Spanien vorbehalten war – Exporte der Merinoschafe waren verboten. Erst 400 Jahre später kamen die Schafe nach Deutschland und wurden dann durch europäische Siedler in der Welt verteilt und gelangten so auch nach Australien und Neuseeland. Dort sind sie für die Wollproduktion unverzichtbar geworden, so gibt es in Australien das höchste Merinoschaf-Vorkommen. Der Kontinent ist zudem der größte Lieferant der Merinowolle, rund ein Drittel der Wolle kommt von dort.

Merinoschafe liefern pro Jahr mindestens 3 Kilogramm, besonders ertragreiche Tiere bis zu 10 Kilogramm Wolle.

Kritik an der Produktion der Merinowolle

Das größte Problem, das Merinoschaf-Farmen in Australien haben, ist der Fliegenmadenbefall. Da die Schafe nicht an das Klima in Down Under angepasst sind, haben die Maden, welche Hautfalten am After befallen, leichtes Spiel. Um den Befall zu stoppen, werden den Schafen Hautfalten im After- und Genitalbereich einfach abgeschnitten. Dieser Vorgang wird als Mulesing bezeichnet und ist weltweit sehr umstritten. Warum? Das Mulesing wird an acht Wochen alten Lämmern vorgenommen – ohne Betäubung. Eine alternative Behandlung gegen die Maden gibt es bisher nicht. In Deutschland wäre diese Praxis aber nicht denkbar – hier ist das Mulesing aus tierschutzrechtlichen Gründen verboten.

Eine weitere Problematik, die sich aus der Massentierhaltung für Merinowolle ergibt, betrifft alle Tiere, nicht mehr wirtschaftlich sind, was die Wollproduktion anbelangt. Diese werden nämlich zu unzumutbaren Bedingungen auf Frachtschiffen nach Afrika und in den nahen Osten verschifft. Vorgesehen sind sie für Schlachthöfe, allerdings sterben sie zu Tausenden bereits auf der Fahrt (10 Prozent).

Nur schwarze Schafe? Woher Merinowolle beziehen?

Glücklicherweise gibt es seit einigen Jahren Farmer, die dem Mulesing den Rücken gekehrt haben – auch in Australien und Neuseeland. Wir empfehlen daher beim Kauf von Kleidung aus Merinowolle sehr genau hinzusehen. Einige Hersteller gehen sehr überlegt mit dem Thema um, setzen auf artgerechte Haltung, Nachhaltigkeit und Transparenz für den Endkunden. Hier einige Beispiele von Marken, die vorbildlich ihre Merinowolle beziehen:

  • Icebreaker: versieht seine Kleidung mit Codes, anhand derer der Verbraucher den Produktionsprozess bis zur Farm zurückverfolgen kann
  • Devold: Wolle kommt ausschließlich Tasmanien, Farmen sind zertifiziert
  • Ortovox: fährt den gleichen Kurs wie Devold
  • Woolpower: verarbeitet nur noch mulesingfreie Merinowolle, bezieht sie seit 2008 aus Patagonien

Wir hoffen, dass zukünftig noch mehr Verbraucher verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen und sich die Mühe machen, vor dem Kauf zu checken, wo die Merinowolle eigentlich herkommt!

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